Sind Welpen tatsächlich unsauber und müssen zur Stubenreinheit erzogen werden?
Die Vorlage “Wie wird ein Welpe stubenrein?” von Jörg vom 7. Juni sagt schon einiges über das Verhalten von Welpen und deren Haltern aus. Erwünschtes Verhalten positiv bestärken und unerwünschtes Verhalten ignorieren oder maßregeln. Was heißt das? Aber, fangen wir ganz von vorne an. Stellen wir uns vor eine Hündin wirft fünf Welpen. Sobald ein Welpe aus dem Geburtskanal gleitet, zerreißt die Hündin die Fruchthülle, die sog. Eihaut, in die die Welpen nach der Geburt noch eingeschlossen sein können. Anschließend beißt sie die Nabelschnur durch und leckt den Welpen trocken. Die Fruchthülle und die Nachgeburten frisst sie auf. Die Welpen sind bereits mit dem Tastsinn und dem Wärmeempfinden ausgestattet. Sie kriechen mit Such- und Pendelbewegungen an den Bauch ihrer Mutter und finden dort durch die Zitzen Nahrung. Das erste Lernen am Erfolg hat begonnen. Die erste Milch, die sog. Kolostralmilch, enthält sämtliche Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren sowie Immunglobuline und Wachstumsfaktoren. Immunglobuline sind für die Infektabwehr und das Gleichgewicht des Immunsystems zuständig.
In den nächsten Tagen sind die Welpen vollkommen von ihrer Mutter abhängig. Alleine können sich die Welpen nicht lösen. Die Hündin leckt den Genitaltrakt der Welpen und durch die warme, feuchte Zunge animiert, setzen die Welpen Urin und Kot ab, welchen die Mutter auffrisst. Das wiederum bedeutet, dass die Welpen zunächst immer sauber sind. Sie sind stubenrein! So bald die Welpen ihre Augen und Ohren öffnen und beginnen die Welt zu entdecken, fangen sie an sich selbst zu lösen. Auch diese Hinterlassenschaften beseitigt in der Regel die Mutter. Wenn der Züchter Ende der dritten oder in der vierten Lebenswoche zufüttert, steigern die Welpen die Masse ihrer Bedürfnisse. Je nachdem wie der Züchter seine Welpenunterkunft ausgestattet hat, suchen sich die Welpen eine Beschaffenheit wo sie sich lösen können. Der Züchter sollte ihnen eine Möglichkeit zuweisen und eine der Größe der Welpen angepasste Box anbieten, ausgelegt mit feiner Rinden- und Grasmulch, grober Sägespäne oder auch Zeitungspapier. Ist der Raum der Welpen groß genug oder haben sie Zugang zum Garten, dann werden sie schnell lernen ihre bestimmte “Ecke” zu benutzen. Diese mehrmals am Tag zu reinigen obliegt nun dem Züchter.
Ist die Unterkunft der Welpen zu klein oder bietet ihnen der Züchter keine Möglichkeit einer “Löseecke”, dann sind die Welpen gezwungen, ihre Geschäfte innerhalb ihrer Futter- und Ruhezone zu hinterlassen. Sie werden stubenunrein! Der Hundekäufer hat dann dafür zu sorgen, dass sein Welpe so bald wie möglich lernt, wo er sich zu lösen hat. Aber auch stubenrein vermittelte Welpen können aufgrund des Fehlverhaltens ihrer Halter wieder stubenunrein werden. Oftmals gestatten Hundehalter ihren Welpen den Zugang zu sämtlichen Räumlichkeiten. Sobald der Welpe die Wohnung oder das Haus kennengelernt hat – und das hat er in wenigen Tagen – wird er sich, wenn er ein Bedürfnis hat, von seinen Menschen absondern und in einiger Entfernung oder im Nebenraum seine Geschäfte erledigen. Denn er weiß ja nicht, wo er das tun darf! Wenn nach dem Entdecken das große Donnerwetter seiner Menschen auf ihn niederprasselt, wird er sich enorm vor seinen Bezugspersonen erschrecken, da er nicht weiß, warum mit ihm geschimpft wird.
Unerwünschtes Verhalten, also das Urinieren oder Koten in der Wohnung, kann nur “bestraft” werden, in dem Moment in dem der Welpe es tut. Dann kann verbal geschimpft werden, damit der Welpe in seinem Verhalten unterbrochen wird. Stoppt der Welpe mit seinem Tun, dann bringt ihn der Halter sofort nach draußen. Löst sich der Welpe dann im Garten oder in einem anderen äußeren Bereich wird das erwünschte Verhalten positiv verstärkt, also verbal belobt. Ich empfehle meinen Kunden, in dem Augenblick, in dem der Welpe uriniert oder Kot absetzt, ihn mit einem Begriff zu loben. Z.B. “mach’ Pipi” oder “geh puschern” oder ähnliches. Sobald der Welpe fertig ist, wird nochmals gelobt oder auch ein Leckerchen gegeben. Recht schnell lernen Welpen das Geschäfte im Haus machen unangenehm ist. Draußen verhalten sich ihre Menschen außerordentlich freundlich zu ihnen, wenn ein Bächlein läuft. Der gewählte Begriff “geh puschern” animiert später den jungen oder erwachsenen Hund sich zu lösen. Z.B. auf einem Hundeklo eines Rastplatzes an der Autobahn.
Sobald im Haus eine Hinterlassenschaft entdeckt wird, die sich dort schon mehr als 30 Sekunden befindet, muss dies ignoriert werden. Der Welpe wird freundlich in ein Nebenzimmer gebracht oder ein Familienmitglied beschäftigt sich dort mit ihm. Inzwischen wird das “Geschehen” wortlos entfernt. Sollte ein Welpe sich ständig in Nebenräume verdrücken, um sich dort zu lösen, dann müssen Türen geschlossen werden. Das bedeutet, der Welpe hält sich ausschließlich in dem Raum auf, in dem auch mindestens eine Bezugsperson ist. Sobald der Welpe ein Bedürfnis hat, wird er hektisch einen Platz suchen. Dieses Verhalten ist schnell zu erkennen. Also, Welpe unter den Arm und schnell nach draußen und wenn der Welpe uriniert – natürlich loben, loben, loben …!
Foto: Elke Müller – Klein-Forrest muss mal ganz dringend!






am Juni 16th, 2007 um 12:40
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