Kopfhalftersystem anstatt Stachelhalsband – Leinenführigkeit des Hundes
Die Erziehung des Hundes ist sehr individuell. Hunde, die in Familien mit und ohne Kindern oder in einem Single-Haushalt leben, erlernen Verhaltensweisen, die ihnen in dieser sozialen Gemeinschaft den größtmöglichen Nutzen bringen. Sie entwickeln sich innerhalb dieser Sozialpartnerschaften sehr unterschiedlich. In einem Fall braucht es kaum erzieherische Maßnahmen, da der Hund sich unbemerkt anpasst, im anderen Fall muss mit dem Hund entsprechend trainiert werden, damit er sich in den Familienverband oder den Single-Haushalt integriert.
Dementsprechend werden heute erzieherische Maßnahmen individuell eingesetzt. Die Vermittlung kynologischen Wissens an den/die Hundehalter/in ist die Basis zur Anleitung der Erziehung des Hundes durch den/die Hundehalter/in. Nur so können sich Mensch und Hund zu einem gemeinsamen sozialsicheren Team entwickeln.
Einem jungen dynamischen Hund das angepasste Gehen zu lernen, ist davon abhängig wie gut mit ihm schon im Welpenalter der Bindungsaufbau zum Menschen geübt worden ist. Ist der Welpe entsprechend geprägt, dann gilt es das Training ständig in unterschiedliche Reizsituationen zu verlegen. Auch im Junghundealter (ab der 17. Lebenswoche) lässt sich im gemeinsamen Üben das angepasste Gehen leicht erlernen. In einigen Fällen ist es angebracht ein Kopfhalfter zu benutzen.
Es gibt nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen in der vergleichenden Verhaltensforschung von Wölfen und Hunden keine Argumentation Starkzwangmittel zur Führung eines Hundes einzusetzen. In seriösen, ethologisch geschulten Hundeschulen werden weder Koralle, Stachelhalsband, Würger mit und ohne Stopp noch der Leinenruck eingesetzt.
Die vorgenannten Starkzwangmittel birgen eine nicht unerhebliche Gefahr in der Anwendung:
1. Sie können die Wirbelsäule des Hundes extrem schädigen.
2. Sie können Haut– und Muskelpartien verletzen.
3. Sie beheben nicht die Ursache des Ziehens an der Leine.
4. Häufig wird der Hund aufgrund des Starkzwanges auf unerwünschtes Verhalten konditioniert (Das Zerren an der Leine verstärkt sich).
5. Aufgrund des ausgeübten starken Zwanges auf den Hund ohne die Vermittlung des erwünschten Verhaltens wird die soziale Entwicklung des Hundes massiv gestört und die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten an der Leine sind vorprogrammiert (Aggressives Verhalten an der Leine gegenüber Artgenossen, Personen, Autos, etc.).
Funktionen des Kopfhalfters
1. Die wichtigste Funktion des Kopfhalfters ist die Verhaltensunterbrechung. Das bedeutet: Sobald der Hund ein für ihn interessantes Objekt fixiert und seine Kraft einsetzt, um dorthin zu gelangen, strafft sich die Leine in der Hand des Besitzers, der Hund zerrt an der Leine. Die gespannte Leine bewirkt durch das Kopfhalfter einen leichten Druck auf dem Nasenrücken des Hundes. Der Hundehalter unterbricht das Verhalten des Hundes (der Blickkontakt zum vorher fixierten Objekt wird unterbrochen), in dem er kurz sanft an der Leine zieht (nicht rucken), die Richtung wechselt und dem Hund die Anweisung „Fuß“ erteilt. Das erwünschte Verhalten, nämlich Fuß gehen, wird von dem Hundehalter gelobt. Eine andere Möglichkeit ist, den Hund entsprechend zu motivieren und ihn anzuweisen sich hinzusetzen.
2. Eine weitere Funktion ist die Symbolisierung des Schnauzengriffes durch das Kopfhalfter. Sobald der Hund
an der Leine zieht, entsteht durch die gespannte Leine über das Kopfhalfter Druck auf dem Nasenrücken des Hundes. Der sogenannte Schnauzengriff wird durchgeführt, eine Anwen- dung, die der Hund sofort versteht, da es sich hierbei um eine hundliche Verhaltensweise handelt. Der Schnauzengriff reguliert unter Artgenossen unerwünschtes Verhalten, wird innerhalb einer Hundegruppe aber auch eingesetzt, um den Hund in seiner Gruppenzugehörigkeit zu bestätigen. Das setzt voraus, dass es innerhalb dieser Hundegruppe unter den Hunden Rangbeziehungen gibt.
Der Schnauzengriff wird positiv wie auch negativ benutzt, um dem Hund zu zeigen, welches Verhalten erwünscht und welches nicht erwünscht ist. Im Zusammenleben von Mensch und Hund kann unerwünschtes Verhalten ebenso mit einem Schnauzengriff (Hand wird auf Nasen rücken gelegt bzw. Hand greift um die Schnauze des Hundes) geahndet werden. Lockeres über den Nasenrücken streichen oder Schnauze sanft in den Händen haltend, zeigt dem Hund, dass er zum Familienverband gehört.
3. Eine weitere Funktion des Kopfhalfters ist die leichte Führung des Hundes. Die korrekte Handhabung des Kopfhalfters macht es auf Dauer sehr leicht, den Hund an der lockeren Leine zu führen.
Das Argument, dass das Kopfhalftersystem die Gefahr in sich birgt, den Hund zu verletzen zeigt, dass man nicht verstanden hat, wozu das System da ist und wie es angewendet wird. Wie der/die Hundehalter/in mit dem Kopfhalfter arbeitet, wird in Hundeschulen mit ethologisch geschultem Personal vermittelt.
Fotos: Elke Müller





