Hilferuf eines Vaters am späten Abend. Eines der beiden Meerschweinchen des Sohnes war erkrankt. Es schien, als ob das Meerschweinchen eine Erkrankung hatte, an der schon vor einigen Monaten sein Brudermeerschweinchen gestorben war. Der ratlose Tierarzt konnte bis dato nicht herausfinden, um welche Erkrankung es sich hierbei handelte.
Das rotbraun-weiße Meerschweinchen war sehr apathisch und wollte nicht fressen. Es ging ihm offensichtlich nicht gut. Es hatte sich in seine Höhle zurückgezogen. Das zweite Meerschweinchen war gesund und putzmunter und pfiff quiekend, wenn der kleine junge Mann nach seinem kranken Tier schaute.
Da nun Bettzeit war einigten sich Eltern und der Sechsjährige, wenn in der Nacht etwas sein sollte, dann würde man den Jungen wecken. Der Vater war sehr in Sorge, wie dem Sohn beibringen, wenn das Meerschweinchen in der Nacht stürbe. Sollte er ihn tatsächlich aufwecken. Und wie dem Sohn am nächsten Morgen beibringen, wenn man das Sterben des Tieres versäumt hätte, weil man selbst zu müde war, um Wache zu sitzen. Der Junge musste am nächsten Tag zur Schule, was wenn das Meerschweinchen in der Nacht verstirbt. Kann er dann in seiner Trauer überhaupt zur Schule? Oder sollte man alles verschweigen und das Meerschweinchen schon mal beerdigen?
Fragen über Fragen. Ich wußte nicht so genau, wer von den beiden -Vater oder Sohn – mehr ergriffen war von der ganzen Situation. Mein Rat an den Vater: Kinder können recht gut mit Situationen umgehen, in denen ein Lieblingstier krank ist oder stirbt. Man sollte ihnen nichts verheimlichen und sie Anteil haben lassen. Schließlich sind es die Tiere der Kinder, um die sie sich kümmern und sorgen. Sollte sich der Zustand des Meerschweinchens in der Nacht verschlimmern, den Sohn wecken und fragen, ob er bei seinem Meerschweinchen sein möchte. Es wird sicherlich eine Reaktion des Kindes kommen, aus der sich Weiteres ableiten lässt.
So war es dann auch. In der Nacht wurde der Junge kurz geweckt und über den Zustand des Lieblingstieres informiert. Er sagte: “Mama, sagst du mir morgens Bescheid?” Das Meerschweinchen starb in der Nacht. Die Mutter sagte ihrem Sohn morgens, dass es sanft eingeschlafen ist. “Mama, ich gehe jetzt in die Schule. Kannst du es bitte beerdigen!” Und so ist es geschehen. Der kleine Junge hat selbst entschieden, was er möchte – dabei sein oder es so in Erinnerung behalten, wie er es zuletzt gesehen hat. Er schaute das Grab an, welches seine Mutter im Garten ausgesucht hat und war zufrieden, dass sein Meerschweinchen jetzt neben seinem Bruder einen schönen Platz hat.