Die Anfrage aus der RTL-Redaktion, ob ich als Expertin zum Verhalten von beissenden Hunden etwas sagen könnte, habe ich mit “Ja” beantwortet. Der Termin sollte schnellstmöglich stattfinden und so trafen wir uns in Bremen. Ungefähr zehn Minuten erklärte ich dem Interviewer sowie dem Kameramann, warum ich keine Stellungnahme zu dem Vorfall der durch einen Pitbull-Terrier schwerverletzten, zweijährigen Georgina abgeben kann, da alle Aussagen reine Spekulation wären.
Die vorhandenen Kenntnisse über die Attacke des Pitbull-Terriers gegen das kleine Mädchen sind unklar, d.h. es gibt mehrere Versionen. Dazu benötigt man Informationen über Herkunft, Aufzucht, Sozialisierung, Erziehung, Haltung, Verhalten und über die Menschen, die mit den Hunden lebten oder in Berührung kamen. Nachdem die Hunde getötet worden sind, können keine medizinischen sowie Untersuchungen über das Verhalten mehr stattfinden.
In weiteren fünfzig Minuten wurden dann Aufnahmen gemacht von einem Pitbull- und zwei Staffordshire-Terriern, die gerade von uns trainiert werden. Der Kameramann wollte gerne Nahaufnahmen haben von dem Kopf eines Staffordshire-Terriers, der gerade ein Leckerchen von der Hand nimmt. Er nahm es mit dem Zoomobjektiv auf. Das Interview bezog sich immer wieder auf den bereits erwähnten Beissvorfall und die “bösartigen” Pitbull-Terrier. Dabei erwähnte ich, dass die letzten beiden Wochen gezeigt haben, dass es eben nicht nur diese Hunde sind, die Kinder attackiert haben, sondern auch Rassen wie Dogge, Rottweiler und Dobermann.
Nachdem ich zusätzlich abgelehnt habe, an einem Hund zu zeigen wie man sich vor Bissen wehren kann (O-Ton Interviewer: “Können sie nicht mal zeigen wie sie ihm mit der flachen Hand auf die Schnauze hauen!”), denn es muss für unerfahrene Menschen auch umsetzbar sein, fragte der Interviewer noch, was man denn meiner Ansicht nach tun könnte. “Ruhig verhalten, nicht wegrennen, nicht schreien”, diese Antwort passte offensichtlich nicht in das Konzept.
Was übrig blieb … (sinngemäss) “andere Hunde beissen auch” – 0,20 Sekunden. Naja …! Ich wünsche sehr innig, dass die kleine Georgina überlebt und zu ihrer Familie zurückkehren kann und dass auch die anderen verletzten Kinder gesund werden und entsprechende Hilfe bekommen.