Dunkle Wolken türmten sich hoch und höher und ein Grummeln erfüllte die Luft. Ein Gewitter zog auf und kurze Zeit später prasselte der Regen herunter und es blitzte und donnerte und tobte um uns herum. Als es ein wenig nachließ, fuhr ich mit den Hunden in den Nachbarort, um kurz etwas einzukaufen. Das Wasser stand auf den Strassen und ich fuhr entsprechend langsam, da der Regen sich wieder verstärkt hatte. Im nächsten Ort ließ das Unwetter jedoch nach und es regnete nur noch leicht. Nach Erledigung meines Einkaufes fuhr ich wieder zurück.
In der ersten S-Kurve reduzierte ich die Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer, da die Rechtskurve eine recht scharfe Biegung hat. Fast am Ende der Kurve zog plötzlich das Heck meines Autos wie auf Schmierseife nach links und der Renault Kangoo drehte sich, rutschte über die Pflastersteine am Rand in das Bankett, überschlug sich und landete wieder auf den Rädern. Ich sah wie die Frontscheibe einen Knick bekam und in tausend kleine Scherben zerbarst, die aber alle zusammen im Rahmen blieben.
Ich löste den Sicherheitsgurt, stieg aus und sah die linke Seite meines
Autos. “So eine Sch…!” Eine junge Frau hielt auf der anderen Straßenseite, schaute mich entgeistert an und fragte: “Fehlt ihnen etwas, sind sie verletzt, soll ich jemand anrufen?” “Nee,” antwortete ich “ich rufe meinen Mann an. Ich weiß nicht, ob mir was fehlt, keine Ahnung.” Meine beiden Hunde saßen hinter dem Abtrenngitter und schauten mich an. Ich sah keine offensichtlichen Verletzungen bei ihnen. Der ältere der beiden Rüden wedelte und sah mir vertrauensvoll in die Augen. Der Jüngere hatte lange Speichelfäden vom Maul hängen, aber er saß ruhig neben dem anderen.
Inzwischen waren weitere Personen da und fragten mich alles Mögliche. Ich rief selbst die Polizei an. Ein Rettungswagen kam zufällig mit einem anderen Patienten vorbei. Ich wurde kurz versorgt. Eine Frau wollte ständig meine Hunde aus dem Auto holen. Ich ließ sie nicht an die Tiere heran. Sie hatten kein Geschirr um und direkt an der Straße mit Schockzustand war mir dies zu unsicher. Erst als mein Mann eintraf, legte ich den beiden Hunden jeweils eine Leine um den Hals und so führte er sie zu seinem Auto und brachte sie später nach Hause.
Ein anderer Rettungswagen brachte mich ins Krankenhaus, denn ich verspürte Schmerzen in Hals- und Brustwirbelsäule und in meinem linken Arm und Bein. Ich war übersät von winzig kleinen und größeren Glassplittern und spuckte mehrmals ins Gras, weil es ständig zwischen meinen Zähnen knirschte. Einige der Personen, die mir halfen, sprachen von “Schwein gehabt“, “Frau am Steuer“, “wohl zu schnell gefahren“, “da waren mindestens zwei Schutzengel dabei”. Letzteres glaube ich auch. Einer davon war mein Vater – der Motorjournalist, mit dem ich oft Autos testen durfte und von dem ich viel von meinem heutigen Fahrverhalten übernommen habe.
Der Polizist meinte, es handelte sich um unangepasstes Fahrverhalten und ich würde noch eine Verwarnung bekommen. Toll, dachte ich mir, der macht es sich ja einfach. Mein Mann holte mich eine Weile später aus dem Krankenhaus ab. Ich hatte nichts gebrochen, aber Hämatome, Prellungen und Schnittwunden. Wir hielten nochmal am Unfallort, mein Auto war von den netten Helfern erstmal auf ihren Hof gezogen worden. Die Straße war inzwischen wieder trocken und man sah durch die ganze Kurve einen breiten braunen Streifen, der sich sogar jetzt noch schmierig anfühlte. Vermutlich Diesel. Auf der nassen Straße war dies nicht zu sehen gewesen.
Zuhause angekommen freuten sich die Hunde. Ich tastete sie ab,
untersuchte sie, sah ihnen in die Augen. Es schien tatsächlich als hätten sie nichts abbekommen. Ich verabreichte ihnen ein paar Tropfen Rescue Remedy, damit sie diesen Unfall besser verarbeiten konnten. Sollte mir morgen etwas an ihnen auffallen, dann stünde der Tierarztcheck auf dem Programm. Sie waren natürlich – wie ich auch – recht müde und nach dem Essen gingen wir bald schlafen. Morgens tat mir noch ein wenig mehr weh wie den Tag zuvor. Aber ich konnte Fahrradfahren und radelte in gemächlichem Tempo hinter meinen rennenden Hunden her. Sie waren wieder die Alten. Dafür danke ich meinen Schutzengeln!
Fotos: Elke Müller