“Aber, zuhause macht er’s doch!” Verzweifelter Ausruf einer Kundin, deren Hund sich auf der Wiese partout nicht hinlegen will. “Naja, es ist feucht draußen und da legt er sich nicht hin”, sagte sie. Der Hund – ein mittelgroßer Mischling – mit halblangem Fell verweigerte die Anweisung “Platz”. Auf meine Nachfrage, ob er sich überhaupt irgendwo anders draußen hinlegt, antwortete sie: “Manchmal schon.” “Wenn sie eine Anweisung geben und ihr Hund reagiert nicht, was machen sie dann?” “Dann gehe ich mit ihm einfach weiter.”
Bingo! Da ist der eine Punkt, der fehlläuft und der andere ist, dass oftmals
nur Zuhause geübt wird. Es fehlt an Konsequenz. Die Frage ist, wie wird Konsequenz umgesetzt? Da höre ich dann: Mit strenger, tiefer Stimme. Man muss es dem Hund “deutlich” sagen (was ist deutlich?). Die Lautstärke erhöhen (obwohl der Hunde Geräusche wesentlich besser hört wie wir?). Den Hund auf den Nasenrücken schlagen!!! (Wird der Hund dann gerne auf mich hören?) Den Hund auf den Rücken werfen!!! (Wie macht man das. Ist diese Maßnahme vonnöten und welche Auswirkungen hat solch eine erniedrigende Einwirkung auf die Mensch-Hund-Beziehung?). Wenn der Hund nicht hört, dann muss er eine Weile in die dunkle Kammer!!! (Was lernt der Hund dann daraus?)
Jede Situation mit Mensch und Hund ist unterschiedlich. Was bei dem einen Mensch-Hund-Team funktioniert, muss nicht bei einem anderen Team klappen. Die Variationen, wie man sich freundlich konsequent durchsetzt, ergeben sich aus der Mensch-Hund-Beziehung und aus den Übungssituationen. Hundeerziehung erfordert vom Hundehalter Ausdauer und Geduld. Manches Fehlverhalten kann durch Ignoration desselben und Bestätigung des erwünschten Verhaltens recht schnell reduziert werden. Anderes gezeigte, nicht erwünschte Verhalten lässt sich durch körpersprachliche Massnahmen abstellen. In qualifizierten, ethologisch arbeitenden Hundeschulen können dies Hundehalter zusammen mit ihrem Hund erlernen.
Wie im Fall oben beschrieben, wird hier überwiegend Zuhause – also in den eigenen vier Wänden trainiert. Das wiederum bedeutet, der Hund fühlt sich in der Regel dort wohl – ist also entspannt -, wird durch Umweltreize nicht abgelenkt und konzentriert sich eher darauf, was “sein” Mensch von ihm verlangt und führt es auch aus.
Wird dieselbe Anweisung in einer anderen Umgebung abverlangt, ist ein junger oder unsicherer Hund durch andere Reize (andere Hunde, vorbeigehende Menschen, Verkehr, Gerüche, Geräusche, etc.) so abgelenkt, dass er sich nicht mehr auf das konzentrieren kann, was der Hundehalter von ihm möchte. Demnach gilt es alle Anweisungen oftmals zu üben (nicht zwanzig Mal hintereinander, sondern nur zwei bis drei Mal und dies zwei bis drei Mal pro Tag, aber jeden Tag) in allen Bereichen, in die der Hund mitgenommen wird. Also beim Spazierengehen, im eigenen Garten, an der Straße mit wenig und mehr Verkehr, im Geschäft, im Café usw.. Entspanntes, freundliches Verhalten des Hundehalters und zeitmässig richtig angewendete Signale werden den Hund dabei fördern, sich zunehmend mehr und mehr auf “seinen Menschen” einzustellen.
Foto: Elke Müller – Ablegen in unterschiedlichen Situationen