Seit Anfang Februar geistert ein deutschamerikanischer Hafenarbeiter aus dem nördlichen Niedersachsen durch die Gazetten. Wie das ZDF letzte Woche ebenso berichtete hält besagter Mann eine vierjährige Timberwölfin Zuhause. Gezeigt werden Bilder auf denen das Ehepaar mit der vermeintlichen Wölfin im Bett liegen und kuscheln.
Er habe das Tier von seinem Freund aus einer amerikanischen Auffangstation für Wölfe und Wolfshybriden. Von Welpe an habe er die Wölfin handaufgezogen und deshalb sei sie vollkommen zahm, erklärt der Besitzer. Er gehe sogar mit dem Tier ganz normal spazieren. Die angebliche Wolfsfähe müsse zwar an der Leine bleiben, aber sie sei Menschen gegenüber total freundlich.
Auf den Onlineseiten der Bild werden Fotos der Wölfin gezeigt. Schon anhand dieser Bilder ist für Wolfskenner zweifelsfrei zu sehen, dass es sich nicht um einen Wolf handelt. Vermutlich ist es ein Mischling, denn in Amerika werden viele Wolfshybriden (Husky-Wolf-Mischlinge, Malamute-Wolf-Mischlinge, Hund-Wolf-Mischlinge etc.) gehalten.
Die Ohren sind zu groß, die Rute ringelt sich, die Fellzeichnung ist nicht eindeutig. Fachleute haben sich bereits in der Öffentlichkeit dazu geäußert. Auch sie bezweifeln, dass es sich hier um einen Timberwolf handelt. Anscheinend wurden die deutschen Einfuhrbestimmungen umgangen, denn in den Medien ist nur von einer amerikanischen Bescheinigung die Rede, die aber nichts mit der hier geforderten Cites-Bescheinigung nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen zu tun hat.
Die Kuschelberichte über den Hafenarbeiter und seine “Wölfin” suggerieren, dass Wölfe nach der Handaufzucht bei dem Menschen leben können wie Hunde. Dem ist nicht so. Spätestens mit dem Beginn der Geschlechtsreife zeigt sich, das auch der vermeintlich zahme Wolf ein Wildtier ist.
Als Beispiel der Kommentar eines Lesers aufgrund des Berichtes der Online-Zeitung net-tribune: “ja ich war auch darüber entsetzt das die wölfin erschossen wurde… vieleicht weis hier ja jemand wie man an einen jungen wolf kommt würde auch gern einen aufziehen und halten… einen gruss an alle wolfsfreunde Wolfstranger / …”.
Dem ist nichts hinzuzufügen!
Foto: Foto eines amerikanischen Grauwolfes – Elke Müller