Nachdem ich es zeitlich fast nie schaffe, mir Tiersendungen im Fernsehen
anzusehen, durfte ich heute bei Jörg und Christina den vergangenen Teil der Doku-Soap-Serie “Welpenschule im WDR” ansehen. Da ich selbst Mediatorin für Mensch-Hund-Beziehungen bin und mein Hunde-Kindergarten hier im Kreis und darüber hinaus recht beliebt ist, verfolgte ich diese Sendung natürlich mehr aus dem fachlichen Blickwinkel heraus.
Der Trainer wirkte sehr sympathisch, er sieht gut aus und – das hatte mir besonders gut gefallen – er ging freundlich, leise und teilweise hundlich mit den lieben Vierbeinern um. Nur manchmal musste es etwas lauter sein, wie er sagte, um den Welpen in seinem gerade nicht erwünschten Verhalten rechtzeitig zu unterbrechen. Ich gehe durchaus mit ihm konform, wenn er seinen Hundehaltern erklärte, dass man sich ab und zu für den Hund zum Clown machen muss.
Nicht schlüssig wurde ich mir über folgende Szene, als zunächst mit dem französischen Bulldoggen-Welpen über Hör- und Sichtzeichen “Sitz” geübt wurde . Dann wurde das Abrufen zuerst mit der Anweisung “Komm her”, dann mit “Zu mir” geübt und wenn der kleine Flitzer angerannt kam, gewartet bis er sich automatisch hinsetzte. Während des Wartens sagte der Trainer “und jetzt, und jetzt”??? Was sollte der Welpe darunter denn verstehen?
Was mich noch mehr verwunderte, dass dem Zuschauer suggeriert wurde, wenn man mit einem Welpen frühzeitig das Abrufen übt, dass dieser dann auch in Situationen, die ihn ablenken, abrufbar wäre. Abruftraining ersetzt nicht das Training des Bindungsaufbaues. Das fehlte mir hier komplett. Im Gegenteil, man ließ den Welpen laufen, holte ihn glücklicherweise verbal wieder zurück, ohne dem kleinen Hund in irgendeiner Weise klarzumachen, dass Weglaufen ein nicht erwünschtes Verhalten ist. Das Weglaufen des Welpen war in dieser Situation ein selbstbelohnendes Verhalten. Was wäre, wenn sich in der Nähe der Grünfläche eine verkehrsreiche Straße befände oder wenn ein weiterer Hundehalter mit Hund für den Welpen sich so interessant verhielte, dass der Welpe einfach aus Begeisterung mitlaufen würde? Blieben die Besitzer und der Trainer dann auch stehen und würden hohe Töne von sich geben und hoffen, dass der Welpe darauf reagiert? Nichts gegen hohe Töne, aber dann, wenn sie effektiv eingesetzt werden können.
Die Darstellungen in der Serie “Die Welpenschule des WDR” als Doku-Soap, auch Reality-Soap genannt, lässt doch noch sehr zu wünschen übrig. Serien dieser Art sollen den Zuschauer unterhalten und gleichzeitig informieren. Man spricht hierbei von Infotainment. Wie Wikipedia erklärt: Unter Infotainment (Kofferwort aus dem Englischen: information und entertainment) versteht man die unterhaltsame Vermittlung von Bildungsinhalten und evtl. auch von Scheinwissen, das den Anspruch erhebt, Bildungsbestandteil zu sein. Dachte ich es mir doch!
Fotos: Elke Müller – Bild oben: Chihuahua tobt mit Deutsch Kurzhaar
Bild unten: Berner Sennenhund-Welpe macht ein Päuschen