
Während ich mit einer Hundegruppe mitten im Straßenbereich übe, sieht uns eine Hundehalterin mit Welpen an der Leine von der anderen Seite aus zu. „Ach, hier gibt es eine Hundeschule?“, ruft sie herüber. „Ja“, antworte ich. „Ach, ich suche schon so lange nach einer Hundeschule und hier gibt es jetzt eine Hundeschule?“ „Ja!“ „Ist die ganz neu?“ „Nein, mich gibt es schon über 15 Jahre“, erkläre ich.
Die Hunde liegen am Straßenrand im Platz. Die Besitzer schauen mit einem Auge auf ihre Hunde, mit dem anderen auf die Dame mit Welpen. „Ja, wo sind sie denn?“, fragt sie mich. „Ich wohne im Nachbarort und arbeite im ganzen Landkreis und darüber hinaus.“, beantworte ich brav ihre Frage. „Ich habe von meinem vorigen Hund noch meine Jagdpfeife, ich möchte dass mein Hund jagdlich ausgebildet wird. Da muss ich wohl zu den Jägern, oder?“ „Sie müssen nicht!“ bin ich der Meinung.
„Da ist so eine Frau, die das macht“, schaut sie mich fragend an. „Ja, es gibt eine Ausbilderin dort und eine weitere im Nachbarort“, stelle ich fest. „Mein Hund soll nicht hinter Rehen her rennen!“, sagt sie bestimmt. „Das sollte kein Hund, der nicht jagdlich geführt wird“, wende ich ein. „Deswegen brauche ich die Pfeife, damit er sofort Platz macht, wenn ein Reh kommt.“ „Die Ausbildung der Jagdhunde sieht dieses Training vor“, meine ich. „Wenn ihr Hund jagdlich geführt werden soll, dann muss er auch entsprechend erzogen und ausgebildet werden“, sage ich ihr.
Die Hunde meiner Gruppe durften inzwischen aus dem Platz aufstehen und sitzen neben ihren Haltern. Ein Rottweiler interessiert sich für den Welpen. Dieser hopst und hopst und hopst dem Rottweiler ins Gesicht. „Aber, ich bin doch keine Jägerin! Und mein Hund soll doch nur Platz machen, wenn ein Reh kommt.“, entrüstet sie sich. „Sie sagten doch, dass ihr Hund jaglich ausgebildet werden soll“, staune ich. „Na, er soll doch Apportieren können und wenn ich pfeife, dann soll er Platz machen, wenn ein …“ „Um apportieren zu lernen muss er keine Jagdausbildung machen“, erkläre ich. „Ja, aber …“
Inzwischen interessiert sich auch die Golden Retriever-Hündin für den Welpen. Dieser hopst die Hündin an. „Aber mein Hund muss doch lernen, wenn ich pfeife, dass er Platz macht, wenn ein Reh …“, hält die Dame am Thema fest. „Das nennt man Anti-Jagd-Training“, stoppe ich sie. „Wie bitte?“ „Anti-Jagd-Training!“ „Aber, …“ Der Welpe hopst zwischen Golden Retriever und Rottweiler hin und her. „Ach, jetzt kommt seine Freundin…“, lenkt die Dame mit Welpen ab. Ein weiterer Golden Retriever nähert sich unserer Gruppe. „Los, wir gehen jetzt“, fordere ich meine Gruppe auf. „Und tschüß!“
[Chemoo hat Beute gemacht, Foto: Elke Müller]